16.08.2010

 
Die letzte Nachbarschaft

„In Exarchia werden sie euch ausrauben! In Exarchia leben nur Linksradikale und Junkies! In Exarchia traut sich kein Polizist hin!“ – Polizisten haben wir in Exarchia wirklich nicht gesehen. Dafür aber reichlich viele an den Grenzen zu Exarchia. Einer wird sogar ganz nervös! Während wir Gebäude mit Graffitis und Streetart fotografieren, hört er die Stimme seines Vorgesetzten durch das Funkgerät: „Wer ist das? Was fotografiert er?“. Exarchia ist der Stadtteil der alternativen Szene Athens. Exarchia ist der Stadtteil der Studenten. Exarchia ist der Stadtteil, in dem der 15-jährige Alexandros Grigoropoulos im Dezember 2008 von einem Polizisten ermordet wurde. Exarchia ist aber auch der Stadtteil, dessen Bewohner genau das machen, was die Bewohner aller Stadtteile der Welt machen sollten: Ihre eigene kleine Welt verändern. Anlass gab die Stadt Athen, als sie die wenigen Parks und Spielplätze zu Parkplätzen umbaute. Denn die noble Schicht Athens sollte leichter einen Parkplatz finden, um im Nachbarviertel Kolonaki ihren Kaffee ab 5,50 € (!) zu genießen. Daraufhin haben sich die Bürger gewehrt. Sie rissen Pflastersteine und Asphalt raus und pflanzten an deren Stelle Blumen, Büsche und Pflanzen ein. Heute haben Sie einen Park für ihre Kinder. Als die Einwohner das Drogenproblem in der Nachbarschaft erkannten, haben sie die Junkies aus ihrem Viertel verbannt. Heute spielen ihre Kinder auch nach Einbruch der Dunkelheit auf den Spielplätzen, während ihre Eltern in einer der vielen Tavernen essen und die jungen Alternativen beim kickern, musizieren, oder unterhalten beobachten.

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